In eigener Sache - aber mit Nebenwirkungen!
Digitale Kompetenz ist keine Frage des Alters
Die Idee zu meiner Domain digitalsenior(.de) kam eigentlich ganz spontan und eher zufällig zustande. Auf der Münchener Konferenz " Die digitale Transformation erfolgreich gestalten Digital Work Design, Leadership and Organizations" unter der Leitung von Frau Professorin Isabell Welpe in 2016 habe ich mich selbst in einer Twitter Diskussion eher scherzhaft als Digital Senior bezeichnet. Daraufhin kamen ziemlich viele Kommentare mit dem Tenor: cooler Name! Also entschloss ich mich spontan, die entsprechenden Domains zu reservieren und für meinen Beratungsansatz zu nutzen.
Warum thematisiere ich das hier?
Es missfällt mir zusehends in der öffentlichen Diskussion, dass sich meine Generation - ich bin Jahrgang 1957 - außerordentlich häufig selbst als digital unmündig, unwissend und überfordert darstellt oder dargestellt wird. Das fängt in der Politik an und geht über Unternehmensstrukturen bis hin in die öffentliche Wahrnehmung quer durch alle Medien. Ich halte das für fatal und falsch!
Informatik kann in Deutschland seit Ende der 70er Jahre studiert werden; ich habe das im Wintersemester 1977/78 begonnen und mit verschiedenen Nebenfächern garniert in den 80ern abgeschlossen. Informatik ist nun mal ein ureigen „digitales“ Fach und legte und legt die Grundlagen für das Verständnis von Computertechnik, Algorithmen und Programmiertechniken. Somit sehe ich mich hier tatsächlich als Digital Native – wenn auch ein älterer Digital Native – eben ein Digital Senior.
Die technischen Entwicklungen haben mein „digitales“ Weltbild Stück für Stück erweitert und geprägt und zu einem durchaus komplexen Verständnis der Technologie, Anwendung und gesellschaftlichen Implikationen geführt. Zudem hatte ich die Möglichkeit, die verschiedenen Wellen der Digitalisierung hautnah zu erleben und somit einschätzen und bewerten zu können. Den Begriff der Digital Natives meist nur in Kombination mit Generation Y oder Millennials zu nutzen, impliziert dagegen, dass digitales Verständnis nur synchron mit dem Aufwachsen in digitalen Oberflächen und sozialen Netzwerken entsteht; und das ist eine viel zu kurzsichtige Definition.
Das Gute am „Digital Senior“ ist allerdings, dass es eigentlich kein Gespräch mit Kollegen und Kunden gibt, in denen nicht gefragt wird, wie ich zu dem Namen komme und somit habe ich dann immer die Gelegenheit, ein Plädoyer für meine Sicht der Dinge zu halten – und das ist meist auch ein guter Einstieg in fruchtbare Diskussionen, die nicht selten den „Hype“ aus einigen heute hochgehandelten digitalen Themen herausfiltern und eher den rationalen Kern betrachten lassen – doch das soll nicht Bestandteil dieses kurzen Statements sein.




