Künstliche Intelligenz in der Anwendung
Erwartungen in 2020
Einigen Themen in diesem Beitrag geschuldet, dachte ich zunächst an einen Rückblick Ende 2019. Da ich aber Rückblicke prinzipiell nicht mag, richtet dieser Beitrag den Blick dann auf 2020; allerdings starte ich mit einigen Gedanken, die aus Beobachtungen aus dem letzten Jahr basieren – Thematik ist Künstliche Intelligenz in der (öffentlichen) Debatte und der (realen) Anwendung.
Warum dieses etwas kompliziert formulierte Thema?
Weil in meiner Wahrnehmung eine zu große Diskrepanz zwischen diesen beiden Polen liegt und dies zunehmend ein unzutreffendes Bild der Künstlichen Intelligenz generiert.
Somit haben mich der Begriff Künstliche Intelligenz, die dazugehörenden Debatten und Tagungen, besonders aber die Anforderungen in der täglichen Arbeit bei der Digitalen (Business) Transformation dazu bewogen, hier meine Sicht auf die Dinge kurz zusammenzufassen und meine Erwartungen – oder sollte ich besser sagen: Wünsche - für 2020 zu formulieren.
Künstliche Intelligenz wird nicht nur in der Politik zurzeit „ge-hyped“ und als eine der Top Prioritäten zur Entwicklung Deutschlands in der Digitalen Transformation erkoren – durchaus zu Recht. Doch der Begriff „Künstliche Intelligenz“ selbst bleibt dabei meist im undefinierten, häufig eher Sci-Fi ähnlichen Bereich, was nicht wirklich zu einer realistischen Betrachtungsweise einlädt. Und immer wieder ist es durchaus interessant, sich vor Augen zu halten, wann der Begriff der „Künstlichen Intelligenz“ bereits entstanden ist, nämlich spätestens mit den Herren Alan Turing und Arthur Samuel, formal besiegelt 1956 auf der Dartmouth Konferenz. Es ist also meines Erachtens höchste Zeit, wieder ein realistisches Bild der Künstliche Intelligenz sichtbar zu machen, mit allen Bereichen, die schon heute außerordentlich wirkungsstark in vielen Bereichen eingesetzt werden können und gerade auch in und für Deutschland ein riesiges Chancenpotential bergen.
Ausgerechnet eine Veranstaltung mit dem Titel „Debunking AI Myths
in Sci-Fi“ in der Britischen Botschaft in Berlin, mitgestaltet vom Bitkom unter
der Leitung von Dr. Nabil Alsabah und dem ZAK, Zentrum für angewandte
Kulturwissenschaft, vertreten durch Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha,
bietet sich nun als Aufhänger für meine Betrachtungen an.
Die aufgeführten Filme zeigten exakt
die Sci-Fi Seite der Künstlichen Intelligenz auf, gemischt mit einer gehörigen
Portion Drama und Bedrohung, was die Filme natürlich absolut sehenswerter machte!
Die anschließende, ausgezeichnete Podiumsdiskussion mit Ann-Cathrine
Beyer, Mitglied von "Econtrol" Film Team; Gewinner des Young Talent
Award 2019 "Künstliche Intelligenz Science Film Festival", Prof.
David Hogg, Researcher, University of Leeds, Dr. Sebastian Stüker, Researcher,
Karlsruhe Institut of Technology jedoch brachte dann hervor, wie stark sich die Realität heutiger Anwendungen und Entwicklungen
vom (düsteren) Zukunftsbild mit meist ausschließlich ethischen Komplexitäten
unterscheidet.
Dabei
bestreite ich in keiner Weise, dass ein genauer und kritischer Blick auch und
gerade auf ethische und gesellschaftliche Perspektiven der Künstlichen Intelligenz auf keinen Fall unter den Tisch fallen darf. Ich selbst habe mich
mit diesem hochinteressanten, aber auch sehr komplexen Thema in verschiedenen
Arbeitsgruppen und Bereichen immer wieder befasst (siehe zB Mensch-Sein mit Algorithmen).
Nur sieht es im täglichen Arbeiten mit Künstlicher Intelligenz eben doch viel „profaner“ – oder eben realistischer aus.
Um das zu untermauern, möchte ich einen kurzen Abstecher zu einer meiner Lieblingsdarstellungen der Künstlichen Intelligenz machen, dem Periodensystem der Künstlichen Intelligenz.
https://periodensystem-ki.de/Mit-Legosteinen-die-Kuenstliche-Intelligenz-bauen
Hier wird Künstliche Intelligenz als die Kombination von Grundelementen betrachtet, die drei Gruppen zugeordnet sind. So können Anwendungen und Kombinationen transparent erstellt werden. Ich halte diesen Ansatz – den es auch noch in anderen Zusammensetzungen und Varianten gibt – für sehr geeignet, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und die jeweils benötigten Algorithmen und Tools zu diskutieren und zu definieren.
Hat man sich erst einmal den realen Möglichkeiten der heutigen Künstlichen Intelligenz zugewendet, kann auch die Frage beantwortet werden, welche Chancen sich denn jetzt, also heute und in ganz naher Zukunft, für unsere Wirtschaft und Industrie bieten. Und das sind eine ganze Menge – und das auch in Deutschland, dem ja gerne einmal nachgesagt wird, dass es „Digital“ hinterherhinkt.
Gerade in Deutschland gibt es allerbeste Chancen, sich schnell und effektiv von der schon weit fortgeschrittenen Standardisierung zur flexiblen Automatisierung mittels der entsprechenden Algorithmen zu entwickeln. Nennen wir es Industrie 4.0 oder Künstliche Intelligenz gesteuerte Prozesse – in vielen (wenn nicht den meisten) Bereichen unserer Wirtschaft (Industrie, Infrastruktur, Service) können mit „einfachen“ Mitteln der Künstlichen Intelligenz Automatisierungspotenziale von 30-60% erreicht werden, was enormen Effizienz- und Qualitätssteigerungen entspricht (oder entsprechen kann).
Um es noch einmal klar zu sagen: diese flexible Automatisierung beschränkt sich nicht auf die herstellende Industrie. Alle Wirtschaftsbereiche sind betroffen!
In medizinischen Bereichen können mithilfe von Künstlicher Intelligenz Diagnose und Therapie Resultate signifikant verbessert werden.
In der Mobilität sind automatische Steuerungssysteme für Züge und U-Bahnen., aber auch städtische Straßen- und Parkleitsysteme der Schlüssel für eine Verbesserung des gesamten Mobilitätskonzeptes (und da müssen wir noch gar nicht vom beliebten autonomem Fahren sprechen).
Dasselbe gilt für Dienstleistungen, Forschung und
Entwicklung, in der zum Beispiel die Produktentwicklung in einer virtuellen
Umwelt einer der Schlüssel für effiziente Herstellung sein wird.
Und hier gilt es, Dinge jetzt anzupacken und zu
machen, zu realisieren! Die Algorithmen und Tools für die beschriebenen Themen
stehen zur Verfügung, das ist keine Science-Fiction oder Zukunftsmusik. Wer
sich dieser Hilfsmittel jetzt bedient, wird einen signifikanten Vorsprung in
der Digitalen Business Transformation erreichen. Dazu bedarf es einer
Herangehensweise, die die Lösung und nicht das Problem in den Vordergrund
stellt; vor allem nicht Probleme, die erst in der Zukunft auftreten können oder
werden. Diese – ich hatte es schon angesprochen – häufig ethischen und
gesellschaftlichen Herausforderungen müssen parallel in Angriff genommen
werden, damit Lösungen bereitstehen, wenn sie benötigt werden, aber diese
Lösungen sind für den großen Teil heutiger Anwendungen nicht ausschlaggebend,
im Gegenteil kann ein Warten auf sie fatal werden.
Wie hieß es so schön in einer Diskussion im letzten
Jahr: „Ein Robot, der vor mir steht und „ ich liebe Dich sagt“ und das auch so
meint und weiß, was es für die Beteiligten bedeutet, ist absolute
Zukunftsmusik“, genauso wie der zeitreisende Terminator, der die Welt mal
vernichten oder beschützen „will“.
In diesem Sinne hier meine drei Wünsche bezüglich
der Anwendung, Betrachtung und Einordnung von Künstliche Intelligenz in 2020
Chancen jetzt erkennen und ergreifen
Realitätssinn statt Zukunftsbedenken
Lösungsbewusstsein statt Problemdenken

